Kategorie-Archiv: Politik

Was kommt nach den Piraten?

Ehemalige FDP-Politiker wollen eine neue linksliberale Partei gründen. Hier ist ein interessanter Kommentar dazu.

Ich persönlich werde im November nicht erneut für den Vorstand kandidieren, sondern 2015 eine gewisse Piraten-Auszeit einlegen. Das plane ich schon seit einem halben Jahr so. Ich bin keiner der Menschen, die Knall auf Fall alles hinschmeißen und austreten und dann ein paar Monate später wieder eintreten.

Kurz notiert (1)

1. Wir brauchen kein europäisches Staats-Google oder Staats-Facebook, um den Monopolisten im digitalen Raum wirksam entgegentreten zu können. Solche Projekte sind nur eine gigantische Verschwendung von Subventionen. Wir sollten stattdessen eher auf Interoperabilität, offene Standards, freie Software und digitalen Verbraucherschutz setzen und mit Gesetzen in diese Richtung den Hebel gegen Google, Amazon usw. ansetzen. Warum nicht z.B. gesetzlich vorschreiben, dass keine digitalen Endgeräte mit App-Store-Zwang mehr verkauft werden dürfen? Jeder Verbraucher sollte das Recht haben, auf seinem rechtmäßig erworbenen Endgerät auch Software seiner Wahl installieren zu können.

2. Die NSA ist das einzige, was Amerika noch hat, um Weltpolizei spielen zu können. Die kulturelle Strahlkraft des “American Way of Life” hat erheblich nachgelassen, wirtschaftlich bekommen die USA in vielen Bereichen auch kein Bein mehr auf den Boden, und die militärische Überlegenheit kommt nicht zur Geltung, wenn man sich nur noch in asymetrischen Konflikten festfrisst (von Vietnam bis zum Irakkrieg). Wenn ich US-Präsident wäre, hätte ich zur Zeit wohl das Gefühl, überall die Kontrolle zu verlieren, und würde die NSA als etwas wahrnehmen, das mir verspricht, sie zu behalten oder wiederzuerlangen.

Carsharing

Ich besitze nach wie vor kein Auto und bin seit 2008 zufriedener Carsharing-Nutzer. Ganz am Anfang in Freiburg bei Carsharing Südbaden (heute Stadtmobil Südbaden), dann in Nürnberg zuerst bei Drive und seit letztem Jahr bei Flinkster.

2008 war in Nürnberg die Abdeckung noch ziemlich schlecht: Es gab nur ein Auto in Thon, d.h. man musste mit der Straßenbahn fahren, um zum Auto zu kommen. Mittlerweile gibt es aber zwei Flinkster-Standorte in St. Johannis, die weniger als 10 Minuten zu Fuß entfernt sind. Carsharing-Anbieter, bei denen man das Auto irgendwo innerhalb des Geschäftsgebiets abstellen kann, wie z.B. Car2Go oder DriveNow, gibt es in Nürnberg noch nicht. Ich finde die aber gar nicht so viel praktischer – der Minutenpreis ist wesentlich höher, man muss nach der Benutzung jedes Mal einen Parkplatz suchen und bei Car2Go fällt der Anwendungsfall “Große, schwere Gegenstände transportieren” auch noch weg, weil es dort nur Smarts gibt. DriveNow wäre höchstens deshalb interessant, weil man dann auch mal BMW und Mini fahren könnte :-)

Meine Vision für Nürnberg ist, dass der nächste Carsharing-Standort nie weiter weg ist als die nächste Bushaltestelle, also in der Regel unter 500 Meter. Dann werden noch mehr Menschen, die für den Weg zur Arbeit kein Auto benötigen, sich gar nicht erst eins zulegen und viel Platz auf den Straßen wird frei, der für mehr Grün oder bessere Radwege genutzt werden könnte.

Seat Mii

Das am häufigsten vorhandene Carsharing-Auto in Nürnberg: Der Seat Mii. Für die Stadt und den Sonntagsausflug völlig ausreichend.
CC-BY-SA-3.0-de Wikimedia Commons

Das einzige, was mit dem Carsharing-Auto nicht funktioniert: Veranstaltungen, zu denen man direkt von der Arbeit aus hinfährt. Da bin ich auf teilweise umständliche ÖPNV-Verbindungen oder Mitfahrgelegenheiten bei Kollegen angewiesen. Und wenn man mehrere Tage ein Auto braucht und hunderte Kilometer damit fährt, ist ein normaler Mietwagen günstiger.

Geheimdienste abschaffen, aber wie?

Die unkontrollierte Massenüberwachung durch NSA, GCHQ und BND (unter anderem) und die durch den NSU-Skandal bekannt gewordenen Verstrickungen des Verfassungsschutzes mit diversen Neonazi-Gruppen zeigen, dass Geheimdienste in einem demokratischen Rechtsstaat ein undemokratischer Fremdkörper sind.

Bei Netzpolitik.org werden verschiedene Modelle zur Abschaffung bzw. drastischen Verkleinerung unserer Geheimdienste vorgestellt.

Fahrrad-Autobahn nach Erlangen?

Es ist kein Zufall, dass ich kürzlich schon zum Thema Radwege in Nürnberg gebloggt habe. Meine Fahrradfahrerei hier ist nämlich in den letzten Monaten regelrecht explodiert, nachdem mein Rad zuvor teilweise über Monate unbenutzt im Hof stand. Verantwortlich dafür war eine Baustelle in Tennenlohe, durch die mein gewohnter 30er-Bus zwei Monate lang nicht an der gewohnten Haltestelle “Wetterkreuz” hielt, sondern nur an der Haltestelle “Tennenlohe”, deutlich weiter von meiner Firma entfernt. Ich bin deshalb dazu übergegangen, montags mit dem Rad zur Arbeit zu fahren, unter der Woche das Rad zwischen Firma und Bushaltestelle zu benutzen, und am Freitag wieder nach Nürnberg zurückzuradeln.

Das hat so viel Spaß gemacht, das ich auch dem Ende der Baustelle weitergemacht habe, und jetzt an 2-5 Tagen in der Woche das Fahrrad benutze (eigentlich immer, wenn das Wetter passt). Auf diese Weise bin ich auch politisch etwas zum Thema der Fahrrad(un)freundlichkeit Nürnbergs gekommen und war auch schon mal beim Stammtisch des ADFC.

Dieser schlägt hat unter anderem auch ein Konzept für Radschnellwege in der Region erarbeitet, das ihr hier nachlesen könnt. Es geht darum, Radwege zu schaffen, die es attraktiv machen, auch längere Strecken (>10 km) täglich mit dem Rad zur Arbeit zu pendeln. Das soll unter anderem durch eine gerade Streckenführung und möglichst wenige Ampeln erreicht werden. Für die Strecke nach Erlangen sieht der ADFC einen Radschnellweg entlang der B4 vor, ähnlich wie die jetzt ausgeschilderte Route.

Interessanterweise habe ich aber für mich selbst einen Weg entdeckt, der auch nur 2 Ampeln zwischen Nürnberg und Erlangen-Tennenlohe aufweist und sich mit sehr wenig Aufwand zu einer attraktiven Verbindung ausbauen ließe (rot). Im Gegensatz zum heutigen offiziellen Weg (blau) ist er allerdings eher für die westlichen Stadtteile (West-St. Johannis, Gostenhof, Muggenhof, Schniegling, Wetzendorf) geeignet.

Alternative schnelle Fahrradroute von Nürnberg nach Erlangen

Klick zum Vergrößern!

Im Folgenden möchte ich auf einzelne Stellen eingehen, an denen sich konkrete Verbesserungen vornehmen ließen (in der Karte mit Zahlen markiert). Wo kann man besser Verbesserungsvorschläge anbringen als bei den Wegen, die man gut kennt?

1. Lobsingerstraße

Lobsingerstr. von Osten Lobsingerstr. von Westen

Diese Straße ist momentan Einbahnstraße und auch nicht in der Gegenrichtung (stadteinwärts) für Radfahrer freigegeben. Eine Freigabe würde den Weg von der Bielefelder Straße und von Wetzendorf nach St. Johannis (also das letzte Stück des Wegs in Nord-Süd-Richtung) deutlich kürzer und angenehmer machen. Sonst kann man nämlich nur nördlich um das Klinikum Nord herumfahren (ein deutlicher Umweg) oder in der Johannisstr./Schnieglinger Str. (ohne Radweg) sich unter die Autos mischen.

2. Unterführung Nordwestring/Bielefelder Str.

Unterführung Nordwestring Unterführung Nordwestring Unterführung Nordwestring

Diese Unterführung ließe sich noch fahrradfreundlicher gestalten: Breiter und mit getrennten Wegen für Fußgänger und Radfahrer. Außerdem hoffe ich, dass hier an der zukünftigen U-Bahn-Station Nordwestring genügend Fahrradabstellmöglichkeiten geschaffen werden (Bike&Ride). Die Radwege entlang des Rings sind ein anderes Thema, das für einen separaten Beitrag gut ist…

3. Brücke Ringbahn/Wetzendorfer Str.

Möglicher Haltepunkt Nürnberg-Nordwest an der Ringbahn

Hier könnte ein weiterer Knotenpunkt mit dem öffentlichen Nahverkehr entstehen: Wenn die Gräfenbergbahn (Nürnberg-Gräfenberg) mit der Rangaubahn (Fürth-Cadolzburg) verknüpft wird, wäre hier am Ort des ehemaligen Güterbahnhofs Nürnberg-Nordwest ein guter Ort für einen Haltepunkt. An dieser Stelle ist auch der erwähnte Sinnlos-Radweg.

Danach folgt die Ortsdurchfahrt durch Wetzendorf, die teilweise etwas eng, aber nicht zu stark befahren ist. Es folgt die..

4. Ampel Nr. 1

Ampel Raiffeisenstr./Marktäckerstr.

…an der Kreuzung Raiffeisenstr./Marktäckerstr. an der Kriegsopfersiedlung. Kurz danach zweigt der Weg nach rechts ab und verläuft dann lange über ruhige Landstraßen und Feldwege, teilweise schon über Fürther Stadtgebiet (Sack, Braunsbach). Eine Anbindung in Richtung Fürth wäre leicht realisierbar!

Viele Kilometer später dann die..

5. Ampel Nr. 2

Ampel Würzburger Str.

…über die Würzburger Straße in Nürnberg-Boxdorf. Diese Ampel durch eine Unterführung zu ersetzen, wäre machbar, aber echter Luxus :-)

Viel einfacher wäre eine kleine Baumaßnahme im unmittelbar folgenden Abschnitt.

6. Verbindungsweg Boxdorf-Großgründlach

Verbindungsweg Boxdorf-Großgründlach Verbindungsweg Boxdorf-Großgründlach

Das ist das einzige Stück des Wegs, das momentan nicht asphaltiert ist. Ich finde die kleine tägliche Cross-Country-Einlage mit Pfützen, Staub und Bodenwellen zwar ganz nett, aber ein asphaltierter Weg würde das Plattenrisiko reduzieren.

Anschließend verläuft der Weg durch Reutles und trifft dann am Ostrand des Orts auf den heutigen offiziellen Fahrradweg:

Verbindungsweg zwischen Nürnberg-Reutles und Erlangen-Tennenlohe

7. Brücke über die A3

Brücke über die A3 zwischen Nürnberg-Reutles und Erlangen-Tennenlohe

Über diese Brücke zwischen Reutles und Tennenlohe soll nach den zur Zeit vorliegenden Plänen die Stadt-Umland-Bahn geführt werden. Hier sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass ein Radweg erhalten bleibt.

Nürnbergs Sinnlos-Radwege

Die Nürnberger Zeitung hat dazu aufgerufen, unsinnige Verkehrsschilder zu melden, um den Schilderwald auf den Straßen etwas zu lichten. Grundsätzlich eine sinnvolle Aktion, mir fallen aber auf meinen üblichen Wegen keine solchen Verkehrsschilder ein.

Dafür kenne ich mehrere Stellen, an denen für einige hundert Meter ein Radweg eingerichtet ist, der dann unvermittelt wieder endet. Und das an eher verkehrsarmen Straßen, an denen überhaupt kein Radweg nötig wäre. Wenn man auf der Straße weiterfährt, wird man aber von Autofahrern angemotzt, warum man den Radweg nicht benutzt (selber schon erlebt)

So z.B. in der Wetzendorfer Str. nach der Brücke über die Ringbahn (hier auf der rechten Seite zu sehen)

Weil an vielen anderen, dringenderen Stellen in Nürnberg Radwege fehlen oder zu gefährlich in der Benutzung sind, befinden wir uns beim Fahrradklima-Test des ADFC nur auf Platz 17 von 38 bei Städten über 200.000 Einwohnern.