Die SMV mit anonymen Delegationen
Politik 13.05.2013Auch wenn der Zug in Sachen Ständige Mitgliederversammlung nach dem Bundesparteitag erst mal abgefahren ist und eine Art Urabstimmung als neues Instrument beschlossen wurde, möchte ich noch schnell eine SMV-Idee festhalten, die vielleicht konsensfähig ist (um sie dann nach den Wahlen und vor dem BPT 2013.2 wieder hervorzuholen)
Der grundlegende Gedanke ist, den Konflikt, der gerade die Piratenpartei spaltet, in den einzelnen Piraten zu verlagern, so dass jeder für sich entscheiden kann, wieviel SMV er möchte. Dies wird mit einem hybriden System aus einer nachvollziehbaren Online-Versammlung und einem klassischem Delegiertensystem erreicht.
Konzept
Wer an der SMV namentlich teilnehmen will, nimmt namentlich teil. Wer nicht namentlich teilnehmen will, kann in regelmäßigen Abständen in seiner Gliederung einen SMV-Vertreter wählen und ist dann anonymer SMV-Teilnehmer. Der gewählte SMV-Vertreter hat in diesem Fall anonyme Delegationen. Als SMV-Vertreter kandidieren kann jeder in der entsprechenden Gliederung, der aktiv an der SMV teilnimmt und bereit ist, sich von anonymen SMV-Teilnehmern auf die Finger schauen zu lassen. Die SMV-Vertreterwahl ist eine ganz normale Personenwahl und geschieht geheim. Sie kann gut im Rahmen des Parteitags der Gliederung stattfinden. Allerdings wird evtl. eine separate Akkreditierung benötigt. Wer sich für die SMV-Vertreterwahl akkreditiert (oder dort eine Stimme abgegeben hat), wird für die Wahlperiode der Gliederung in der SMV als anonym markiert und kann nicht mehr direkt abstimmen.
Umgekehrt wird jemand, der sich nicht für die SMV-Vertreterwahl akkreditiert hat, aber in der SMV-Software noch als anonym markiert ist, wieder auf namentlich umgeschaltet.
Für die SMV-Vertreter passt nach der SMV-Vertreterwahl der Generalsekretär der Gliederung (oder jemand anders, der die Zugriffsrechte bekommt) das Stimmgewicht in der SMV an, und addiert für die gewählten Vertreter die Anzahl der Stimmen.
Anforderungen an die SMV-Software
- Die SMV-Software muss für einen Teilnehmer die Anzahl der anonymen Delegationen separat von der Anzahl der Delegationen durch namentliche Teilnehmer anzeigen können.
- Anonyme SMV-Teilnehmer müssen in der SMV-Software sehen können, wie der von ihnen gewählte Vertreter abgestimmt hat.
- In der SMV-Software muss auch angezeigt werden, ob ein Teilnehmer anonymer Teilnehmer ist.
- Ansonsten sind aber immer noch verschiedene Varianten denkbar (Delegationen ja/nein, nur Positionspapiere oder auch Programm, regelmäßig oder ständig usw.)
Theoretisch wäre es auch denkbar, dass man in der SMV-Vertreterwahl für verschiedene Themenbereiche verschiedene Vertreter wählt (oder auch für manche Themenbereiche keinen und namentlich teilnimmt). Praktisch macht es die SMV-Vertreterwahl und die Verwaltung wohl zu aufwändig.
Vorteile
- Jeder Pirat kann selbst entscheiden, ob er repräsentive, unflexible, aber geheime Abstimmungen möchte oder nachvollziehbare direkte Demokratie bzw. Liquid Democracy.
- Die Wahl der SMV-Vertreter kann gut in den normalen Parteitag einer Gliederung integriert werden.
- Die Wahl der SMV-Vertreter ist nachprüfbar, indem man die in der SMV-Software angezeigte Anzahl der anonymen Delegationen mit den Stimmzetteln aus der SMV-Vertreterwahl vergleicht.
- Durch die Anzeige des Teilnehmer-Status (anonym/namentlich) ist auch nachprüfbar, ob ein anonymer Teilnehmer korrekt als inaktiv markiert wurde, also nicht zusätzlich als aktiver Teilnehmer abstimmt.
- Der Aufwand für die Erweiterung der SMV-Software hält sich in Grenzen.
- Es können sogar Menschen ohne Computer an der SMV teilnehmen (wenn auch nur indirekt). Man muss ihnen bloß die Wikiseiten der SMV-Vertreter-Kandidaten ausdrucken, damit sie sich vor der Wahl eine Meinung bilden können (siehe unten).
Nachteile
- Wer seine Meinung zur SMV ändert, muss bis zur nächsten Vertreterwahl warten, um von indirekter zu direkter Beteiligung zu wechseln (oder umgekehrt). Wenn es das Parteiengesetz zulässt, könnte man die Wahl der SMV-Vertreter aber sehr schnell durchführen (ohne Kandidatenvorstellung und Befragung, Wikiseite genügt, und in einem Wahlgang) und dann auch öfter (so 4-8 mal im Jahr)
- Man kann einen SMV-Vertreter nur aus seiner eigenen Gliederung wählen.
- Erhöhter Verwaltungsaufwand (Update der Stimmgewichte und des Teilnehmerstatus in der SMV nach jeder Vertreterwahl)
Offene Fragen
- Wenn zwischen den namentlichen SMV-Teilnehmern auch Delegationen möglich sind: Werden anonyme Delegationen in der SMV auch transitiv weitergereicht? Ein anonymer SMV-Teilnehmer möchte vielleicht nicht, dass die Stimme des von ihm gewählten Vertreters per Kettendelegation ganz woanders landet. Vielleicht sollte jeder namentliche SMV-Teilnehmer selbst einstellen können, ob er anonyme Delegationen weiterreicht, und es bei seiner SMV-Vertreter-Kandidatur bekanntgeben.
- Wie gut funktioniert das Ganze in LVs, in denen es keine Untergliederungen gibt, sondern nur Crews?
- Umzug eines anonymen SMV-Teilnehmers: Wenn die nächste SMV-Vertreterwahl in der neuen Gliederung vor der nächsten SMV-Vertreterwahl in der alten Gliederung ist, zählt die Stimme des Teilnehmers eine gewisse Zeit doppelt. Im umgekehrten Fall hat der Teilnehmer für eine gewisse Zeit keine Stimme. Mittelt sich insgesamt also heraus.
- Umzug eines SMV-Vertreters: Die Anzahl seiner anonymen Delegationen wird auf null gesetzt. Die Mitglieder aus der alten Gliederung, die ihn gewählt haben, verlieren ihre Stimme bis zur nächsten SMV-Vertreterwahl. Ebenso bei Rücktritt, Parteiaustritt oder Tod des SMV-Vertreters. Muss man wohl hinnehmen. Den Effekt kann man auch dadurch abmildern, dass man bei der SMV-Vertreterwahl mehrere Stimmen hat, die man auf mehrere Kandidaten verteilen kann.
Ich hoffe, dass ich keine großen Bugs oder Manipulationsmöglichkeiten übersehen habe und stelle es hiermit mal zur Debatte.


