Kategorie-Archiv: In eigener Sache

Koken als Foto-CMS

Ich habe vor ein paar Tagen meinen Flickr-Account endgültig geschlossen. Ein nicht unbedeutender Schritt, hatte ich ihn doch seit etwa 2005. So genau weiß ich es gar nicht. aber auf jeden Fall schon bevor Twitter und Facebook irgendwie relevant waren. In den letzten Jahren habe ich dort aber immer seltener etwas hochgeladen, vor allem weil es meistens unerträglich langsam und schwerfällig zu bedienen war (hallo Yahoo!?!)

Ein kurzer Blick auf alternative Dienste brachte mich auch nicht weiter. 500px zeigt Besuchern Werbung an, selbst bei kostenpflichtigen Accounts und noch mehr von Google abhängig machen wollte ich mich auch nicht. Da bleibt nur noch eines, selber hosten.

Nachdem ich schnell sah, dass Gallery und Coppermine, die von Stratos App Wizard angeboten wurden, nach angestaubtem Nullerjahre-PHP-Gebastel aussehen und teilweise auch noch Flash(!) für den Upload(!!) voraussetzen, wurde ich durch einen älteren c’t-Artikel auf Koken aufmerksam.

Koken ist ein Content Management System, dem man auf dem ersten Blick ansieht, dass es für Menschen gemacht wird, die viele Fotos hochladen, organisieren und hübsch präsentieren möchten. Die Oberfläche orientiert sich stark an Lightroom, die Bildersammlung lässt sich sogar direkt daraus hochladen, wobei einige Metadaten übernommen werden.

Das Standard-Theme sieht sehr sauber und aufgeräumt aus, und ließ sich an genau den Stellen, an denen ich mir es wünschte, anpassen, ohne den Code anfassen zu müssen. Es ist natürlich auch responsiv. Dabei können Thumbnails in bis zu 28 verschiedenen Größen vorgeneriert  werden, damit jedes Gerät blitzschnell mit einem Bild in der passenden Auflösung versorgt wird.

Ein paar Nachteile sollen nicht unerwähnt bleiben:

  • Keine schöne Upload-Möglichkeit von Mobilgeräten (das Backend ist nicht responsiv und eine App für iOS oder Android gibt es auch nicht)
  • Plugins und Themes kosten meistens nicht wenig (> 30 Dollar). Wenn die verfügbaren Plugins und Themes so qualitativ hochwertig sind wie das Hauptprodukt, bin ich aber gerne bereit, das auszugeben.
  • Nicht multi-user-fähig.
  • Der Texteditor ist nicht so komfortabel wie der von WordPress und hat auch ein paar Bugs. Das ist aber okay, weil längere Texte nicht Hauptanwendungszweck dieses CMS sind.
  • Nicht Open Source

Bleibt noch zu sagen: Das Ergebnis könnt ihr auch hier anschauen. Da kommt noch viel dazu…

Austritt aus der Piratenpartei

Ich trete hiermit mit sofortiger Wirkung aus der Piratenpartei aus.

Sehr lange habe ich abgewartet, aber ich sehe keine Chance mehr, dass diese Partei politisch wieder handlungsfähig wird – von vereinzelten Initiativen auf kommunaler Ebene abgesehen. Wenn fast nur noch die Vorstandsmitglieder Zeit für diese Partei aufwenden, verwalten wir uns eigentlich nur noch selbst. Seit der Bundestagswahl sind zwei Jahre vergangen, und keine der dringend nötigen strukturellen Änderungen, um z.B. echte basisdemokratische Mitbestimmung zu verwirklichen, ist auch nur ansatzweise angegangen worden. Seit zwei Jahren hat es keinen Bundesparteitag mehr gegeben, auf dem in nennenswertem Umfang das politische Programm weiterentwickelt wurde.

Anfang des Jahres hatte ich noch darauf gehofft, bis zum Ende des Jahres die Lust an der politischen Arbeit zurückzugewinnen und als Vorstand oder als Bundestagskandidat ab 2016 die Piraten voranzubringen. Jetzt merke ich aber, dass da nichts wieder zurückkommt.

Ich möchte nun einen Schnitt machen und mir den Freiraum schaffen, um mich in ganz neuer Form mit neuen politischen Themen beschäftigen zu können.

Im Kreisverband Nürnberg und anderswo bedanke ich mich sehr herzlich bei allen, die seit 2010 mit mir zusammengearbeitet haben, und hoffe auch, den Kontakt zu einigen von Euch aufrecht erhalten zu können.

Es war den Versuch wert!

Bericht zu meiner Vorstandszeit 2013-2014

Ich blicke zurück auf über ein Jahr Vorstandszeit. Eine Zeit, in der die Piratenpartei – seien wir ehrlich – in der öffentlichen und veröffentlichten Meinung stark an Bedeutung verloren hat. Sicher nicht die einfachste Zeit, um Vorstand zu sein. Und insgesamt, muss ich auch sagen, haben mich die Streitigkeiten auf Bundesebene und online viel Kraft und Motivation gekostet, auch wenn ich mir das wenig habe anmerken lassen. Auch wenn ich lange versucht habe, sie zu ignorieren und lokal unser eigenes Ding zu drehen. Insgesamt ist uns das aber nicht so gut gelungen wie z.B. den Piraten in Regensburg.

Ich freue mich daher, dass mit Spinni hier und Bruno Gert Kramm in Berlin zwei meiner Lieblingspirat_innen nicht aufgeben und sich wieder verstärkt engagieren. Ich danke auch allen Vorstandskollegen die erneut kandidieren, und ganz besonders Emil Lefherz, der den Sprung von den JuPis zu den Piraten wagt. Ich werde bei den ersten vier Vorstandssitzungen auf jeden Fall noch dabei sein.

Unsere Themen haben nichts von ihrer Wichtigkeit verloren, auch wenn im Moment angesichts der weltpolitischen Krisen beim Wähler ein hohes Bedürfnis nach Sicherheit besteht und es alle progressiven Parteien schwer haben. „Morgens Eikonal, abends Frontex“ – dieses Wortspiel ging mir länger durch den Kopf und manchmal denke ich sogar, dass es für viele ein völlig ernsthafter und überzeugender Werbeslogan ist.

Die Piratenpartei muss jetzt bis zur Bundestagswahl 2017 das richtige Maß finden zwischen der Übernahme dessen, was sich in anderen Parteien bewährt hat, und einem unkonventionellem Auftreten, das auch bisher unpolitische Menschen und Nichtwähler anziehen kann. Wir müssen verlässlicher werden, aber auch unberechenbar bleiben. Heterogener werden – dazu gehört auch eine Erhöhung des Frauen- und Migrant_innenanteils und gleichzeitig bei unseren Kernthemen glaubwürdig bleiben.

Bitte glaubt nicht, das mit der Rückbesinnung auf Kernthemen und #reclaimyounetzpartei alles von alleine wieder heile wird. Denn auch dort ist vieles in Bewegung geraten! Die alten Nerd-Milieus brechen auf und werden herausgefordert, wie wir gerade am #gamergate sehen. Zu den großen Fragen um Überwachung und Datenschutz, Privatsphäre und digitale Öffentlichkeit hat die Diskussion gerade erst begonnen. Ich möchte z.B. auf das Urteil des EuGh zum „Recht auf Vergessenwerden“ hinweisen, das zeigt, das Gut und Böse auch im Kernthemenland oft nicht leicht auseinanderzuhalten sind.

Im Moment befinden wir uns im „netzpolitischen Winter“ – wenn wir nicht aufpassen, wird von unseren politischen Gegnern vieles eingestampft, was uns wichtig ist und was wir in erfolgreicheren Zeiten auch verteidigen konnten. Netzsperren kommen gerade wieder, z.B. in Österreich. TTIP übertrifft ACTA bei weitem an Dreistigkeit. Die Netzneutralität gerät immer stärker in Bedrängnis.

Das sind nur drei wahllos herausgegriffene Dinge, wegen denen es sich auch in Zukunft lohnt, Pirat zu sein! Wünschen wir den neuen Vorständen viel Spaß und Erfolg dabei!

Ich danke natürlich zuerst einmal meinen Mitvorständen, egal ob sie bis zum Ende durchgehalten haben oder nicht. Dann ganz besonders Spinni wegen der vielen Arbeit, die sie in den Wahlkämpfen übernommen hat. Merl, Patrick und Thomas waren selten da, aber wenn man sie gebraucht hat, haben sie wichtige Arbeit übernommen, z.B. denke ich da an den Faschingsumzug. Und ich danke allen anderen, die bei Infoständen, Stadtfesten oder beim Flyer verteilen oder Plakatieren mitgeholfen haben.

Was ich gemacht habe:

  • Wiederbelebung des offenen Stammtischs (15.) an neuem Ort
  • Neues Konzept für den politischen Stammtisch (moderierte Diskussion)
  • Helferdienst und Besuch der Orga-Termine beim Südstadtfest
  • Social-Media-Werbekampagne für Unterstützerunterschriften zur Kommunalwahl 2014 (#jetztaberhopp)
  • Schnitt und Veröffentlichung der Kandidatenvideos zur Kommunalwahl 2014

Was ich machen wollte und andere gemacht haben:

  • Wahlkampforga: Spinni hatte die Erfahrung aus dem Bundes- und Landtagswahlkampf und hat mir vor der Kommunalwahl viel Arbeit abgenommen.

Was ich auch noch machen wollte und zu wenig gemacht habe:

  • Neumitglieder werben, integrieren und halten
  • Vernetzung mit anderen Parteien und Organisationen

Das A-Wort

…begegnet einem in Krakau immer wieder, einfach weil es ein Ort in der Nähe ist, und irgendwann benutzt man es dann mit einem leichten Stocken beim Sprechen, ungefähr so, wie wenn man sagt „Ich fliege am 11. September“ oder „Ich habe in Hiroshima ganz vorzüglich gegessen“. Bei Twitter habe ich mich mit Andeutungen begnügt:

Tweets mit Andeutungen zum Besuch von Auschwitz

Ich hatte auf meiner zehntägigen Polen-Rundreise ursprünglich nicht vor, mir Auschwitz anzutun, mein Gedanke vorher war schlicht „es gibt doch ohnehin schon so viele schlechte Nachrichten gerade auf der Welt, da muss ich das nicht auch noch sehen“. Selbstverständlich hatte ich vorher auch schon KZ-Gedenkstätten besucht, mit der Schule Natzweiler-Struthof und vor ein paar Jahren Buchenwald. Aber als ich dann in Krakau war, wollte ich es dann doch gesehen haben und schloss mich einer geführten Tour an.

In Auschwitz wird jeder zum Relativierer, und sei es nur im Kopf. Im Sinne von „In Relation zu anderen Dingen setzen“. Man sucht nach vergleichbaren Erlebnissen. Vor diesem Tor mit dem Gleis hindurch zu stehen, war für mich zuerst ein bißchen so, wie in Hiroshima vor dem Gebäude mit der weggesprengten Kuppel zu zu stehen (ich war 2010 dort), man hat beides ja schon unzählige Male auf Fotos und in Geschichtsbüchern gesehen. Man redet sich also ein, man würde es ja schon kennen.

Aber nichts bereitet einen auf den Raum vor, in dem zwei Tonnen menschliches Haar hinter Glas ausgestellt sind, das man den Häftlingen vor ihrer Ermordung abnahm, um es weiterzuverarbeiten. Nichts ist unerträglicher an diesem Ort, als das es sehr detailliert um das „Wie“ geht und nicht um das „Warum“. Es wird einem an diesem(!) Ort nicht besonders klar, dass dieses Verbrechen aus der Mitte unserer Gesellschaft heraus geschah, auch weil er heute weit außerhalb von Deutschland liegt. Da ist sogar das Dokuzentrum in Nürnberg besser geeignet. Ein Ort in der polnischen Ebene, an dem eine besonders grausame Alien-Rasse gelandet ist – das ist das Narrativ, mit dem man versucht, sich im Kopf das Ungeheuerliche klein zu reden.

Ich habe mich noch nicht einmal getraut, den andern Tourteilnehmern im Kleinbus zu erzählen, dass ich Deutscher bin, weil ich dachte, dass selbst das an diesem Ort schon „triggern“ könnte. Überhaupt haben wir eigentlich die ganze Zeit geschwiegen, sowohl auf der Hinfahrt als auch auf der Rückfahrt.

Direkt danach hatte ich auch das Gefühl, dass das jetzt alles verändern würde, was ich über Nazis, die Antifa, Antisemitismus, Israel, den Zweiten Weltkrieg und vieles weitere denken würde. Es ist jetzt aber nach einer Woche rückblickend gesehen doch nicht ganz so. Und das ist auch wieder beruhigend, denn anderfalls hieße das ja, das die Schule und viele weitere Institutionen irgendwie in ihrem Bildungsauftrag versagt hätten.

Neustart

Auf diesem Blog möchte ich mal wieder häufiger Gedanken festhalten, die nicht in 140 Zeichen passen, und sicher auch meine Fotos etwas besser zur Geltung kommen lassen.

Ich hoffe, wir sehen uns hier regelmäßig!