Das Trainingslager und was danach kam

Nach der Fabelzeit beim Nürnberger Stadtlauf 2016 (1:32:53), die ich während der Vorbereitung auf den Frankfurt-Marathon lief, entstand der Plan, im Frühjahr 2017 die 1:30h anzugreifen. Meine erste Idee war, das beim bekanntermaßen sehr schnellen Halbmarathon in Berlin Anfang April zu probieren. Da mich aber das Losglück für einen Startplatz beim Berlin-Marathon traf, verschiebt sich die Reise in die Hauptstadt in den September und ich suchte mir stattdessen den IFB HiRo Run in Hilpoltstein für den Bestzeitversuch aus. Die Strecke ist einigermaßen flach, nicht zu weit von Nürnberg entfernt und von einem Trainingslauf 2014 teilweise bekannt.

Und es gab noch eine andere Idee, die schon länger in meinem Kopf herumschwirrte und sich jetzt materialisiert hat: Mal so einen Trainingsurlaub mit einem dieser Sportreise-Anbieter machen. Das heißt: In toller Landschaft mit anderen ähnlich Bekloppten zusammen trainieren, idealerweise bei besserem Wetter als im deutschen Winter, und außer trainieren nur lecker essen, faulenzen und noch ein bißchen Touri-Programm machen. Ich war dann schließlich im März mit dem legendären Peter Greif in Conil de la Frontera an der andalusischen Atlantikküste:

Die zwei Wochen dort waren sehr hart (193 Kilometer in 12 Tagen!) aber haben Spaß gemacht, es waren Menschen vom Ü70 bis zur Olympiateilnehmerin dabei, und die Gruppen waren so eingeteilt, das jeder ein angemessenes Tempo laufen konnte. Auch wenn ich leider einen kleinen Infekt danach nicht vermeiden konnte (vermutlich die Kombination aus belastungsgeschwächtem Immunsystem und Flugzeugkabine), standen die Zeichen auf „Form meines Lebens“ und die letzten Einheiten vor dem Wettkampf (z.B. noch einmal 4 x 1000m im HM-Tempo) verliefen auch zufriedenstellend.

So stand ich also am Samstag mit einem sehr guten Gefühl in der Hilpoltsteiner Altstadt am Start. Sofort hängte ich mich an den 1:30h-Tempomacher mit seinem Ballon, die ersten Kilometer verliefen aus der Altstadt hinaus an Freibad und Stadthalle vorbei zum Main-Donau-Kanal, wo es bis zur Schleuse auf dem Uferweg weiterging. Mit einem kurzen, aber giftigen Anstieg wurde dort dann der Kanal überquert. Die km-Schnitte des Tempomachers waren aber etwas unregelmäßig und lagen über den erforderlichen 4:15 min/km, so dass ich mich etwas absetzte. Vielleicht war das schon der erste Fehler. Aber ich war ja nicht viel zu schnell unterwegs (5 km: 21:34, also +0:19). Das lange Stück am Kanal entlang bis zum Challenge Roth-Schwimmstart (Heuberg) nervte zwar, aber auch bei Kilometer 10 war die Welt noch halbwegs in Ordnung (43:05, +0:35). Die 1:30h-Gruppe holte mich aber ein, überholte mich, und ich konnte nicht mehr zulegen. Ich hatte sie zwar noch eine Weile im Blick, aber der Schotter auf dem Waldweg am Rothsee hatte auch schon Kraft gekostet und so wurden die nächsten Kilometer immer langsamer (vom plangemäßen km 8 in 4:15 bis zum km 15 in 5:02). Zu diesem Zeitpunkt wusste ich schon, dass es mit den unter 1:30h nichts mehr werden würde und selbst eine Bestzeit knapp unter der letztjährigen verdammt hart werden würde (km 15: 1:06:28, +2:43). Auf dem Stück, das dann wieder schnurgerade am Kanal zurückführte, konnte ich mich nur minimal berappeln (km 16 in 4:52). Die nächsten Kilometer – wieder über eine Brücke mit einem kurzen Anstieg – wurden dann noch schlimmer, auch wenn ich keine Krämpfe bekam oder gehen musste, die Luft war komplett raus. Erst als das Ortsschild von Hilpoltstein zu sehen war, und es auf der Anfang bekannten Strecke in die Altstadt zurückging, beschloss ich, wenigstens noch um Platz 2 in meiner HM-Rangliste zu kämpfen und kam dann nach 1:38:09 ins Ziel. Ich bin noch bei keinem Halbmarathon in der zweiten Hälfte so eingebrochen.

Woran liegt’s? Vielleicht schlicht übermotiviert, die Erholung vom Trainingslager noch nicht abgeschlossen, die 4 x 1000m am Dienstag zu spät oder ich hätte länger in der Gruppe mitschwimmen sollen oder oder oder… Dieser Wettkampf hat mir jedenfalls gezeigt, dass es nach einem fantastischen Jahr 2016 mit neuen Bestzeiten über alle Distanzen nicht ständig „schneller, höher, weiter“ gehen kann.

Die nächsten beiden Halbmarathons am 30.4. (Weltkulturerbelauf Bamberg) und 20.5. (Göteborgsvarvet) sind vom Streckenprofil her eh nicht bestzeittauglich, so dass ich mich jetzt auch nicht zu sehr unter Druck setze…