Archiv für den Monat: April 2017

Ballern in Bamberg – Weltkulturerbelauf 2017

Nach dem missglückten HiRo Run war erst mal Ausruhen angesagt. Der Plan war jetzt, sich auf die Schlüsseleinheiten für die Challenge Roth zu konzentrieren, also die langen langsamen Läufe mit 30-35 km. Zwei davon konnte ich recht zufriedenstellend absolvieren (einen sogar mit fast 400 Höhenmetern im Schönbuch). Dafür strich ich aber etliche Läufe unter der Woche. Nur genau zwischen den beiden HMs (am 19.4.) wagte ich einen Versuch mit 400m-Intervallen, der aber auch eher ernüchternd verlief. Dann kamen auch noch leichte, aber beständige Knieschmerzen hinzu, so dass ich in der letzten Aprilwoche nur noch Ausgleichssport betrieb (ein bisschen Schwimmen und mal wieder ins Fitnessstudio). Das eigentlich geplante 5000m-Bahnrennen in Erlangen am 25.4. wurde gestrichen. Schon lange nicht mehr stand ich bei einem HM so ausgeruht am Start (6 Lauf-Ruhetage hintereinander). Beim Knie zeichnete sich auch eine leichte Besserung ab.

Aber jetzt erst mal zum Weltkulturerbelauf: Der findet nur alle 2 Jahre statt und ist auch immer ganz schnell ausgebucht. Ich war immer zu spät dran mit Anmelden, oder es war gerade das falsche Jahr. Die Vorfreude war also entsprechend. Ich fuhr sogar schon am Samstagnachmittag extra nach Bamberg, um die Startnummer zu holen – die Startnummernausgabe schließt nämlich am Sonntag schon mehrere Stunden vor dem Start, was ein kleiner Schwachpunkt in der ansonsten hervorragenden Organisation dieses Laufs ist.

Am Sonntag traf ich vor dem Lauf dann Daniel und Flo und es ging gleich los auf eine ziemlich zackige Runde zum Einlaufen. Toiletten gab es dann beim Start auch mehr als ausreichend und es dauerte eh noch eine Weile, bis es tatsächlich auch für uns losging – erst mal zusammen.

Mein Plan war, einigermaßen entspannt über die Hügel am Anfang zu kommen und auf dem flachen Stück dann herauszuholen, was geht. Die Strecke war wunderschön, aber die reinste Achterbahn mit ständigem Auf und Ab, engen Kurven und viel Kopfsteinpflaster. Bei einigen Überholmanövern von Daniel und Flo war es schwierig, zu folgen, aber ich blieb ganz gut dran und bei Kilometer 5 war mit der Altenburg der höchste Punkt erreicht. Auf dem letzten Stück mit gewiss >15% musste ich auch ein paar Schritte gehen, wie die meisten um mich herum. Aber die Uhr zeigte noch deutlich unter 30 Minuten (<6:00/km für den Berg insgesamt), also schnell im Burginnenhof einen Wasserbecher geschnappt und ab in den Downhill. Das Knie machte alles brav mit!

Es ging noch eine Weile mit der Achterbahn weiter, auch immer wieder kleine Zwischenanstiege, aber die Stimmung war genial und die Zuschauer feuerten an, was das Zeug hielt. Erste Berechnung bei km 7: Etwa 37 Minuten, also 1:51h waren ziemlich sicher und das flache Stück sollte ja noch kommen. Irgendwann war dann tatsächlich mal Schluss mit engen Gassen und Kopfsteinpflaster und es ging flach und gerade durch einen Park und am Main-Donau-Kanal wieder zurück. Mein geplantes HM-Renntempo von 4:15/km, für das ich seit Dezember gearbeitet hatte, erreichte ich zwar nach dieser Vorgeschichte nicht mehr, war aber diesmal egal, es reichte trotzdem noch, um reihenweise Leute zu überholen. Auch Flo nach ca. 14 km, der oben am Berg doch etwas enteilt war. Laut Strava war das tatsächlich auch der schnellste Kilometer in 4:25min. Insgesamt fühlte ich mich wesentlich besser als in Hilpoltstein, vielleicht zahlen sich die langen Läufe hier auch langsam aus.

Nur als es mit dem Herumgekurve in der Innenstadt wieder losging, verschleppte ich das Tempo etwas, was zur Folge hatte – und damit rechnete ich wirklich nicht – dass Flo bei km 20 wieder von hinten herankam. Die Streckenplaner waren hier auch wirklich fies, wir mussten noch mal zum Dom hoch und noch ein Stück weiter bergauf, nachdem wir vorher schon nah am Ziel waren. Das begrub auch die Hoffnungen auf eine Zeit unter 1:40h, die ich mir zwischendurch mal gemacht hatte. Der letzte Kilometer war dann reines Ballern (3:58, die letzten 400m 1:29!), noch mal schnell durchs Alte Rathaus durch und die letzten Meter durch die Fußgängerzone, wo ich noch einen beachtlichen Endspurt hinlegen konnte und es ein paar Sekunden vor Flo ins Ziel schaffte 🙂

1:42:17 standen auf der Uhr, ich hatte schon längst beschlossen, damit hochzufrieden zu sein. Daniel musste leider etwas Federn lassen nach seinem Mount Everest Treppenmarathon am Vorwochenende und kam dann nach ca. 1:50h ins Ziel.

Für mich geht es jetzt weiter mit dem Göteborgsvarvet am 20.5.

Das Trainingslager und was danach kam

Nach der Fabelzeit beim Nürnberger Stadtlauf 2016 (1:32:53), die ich während der Vorbereitung auf den Frankfurt-Marathon lief, entstand der Plan, im Frühjahr 2017 die 1:30h anzugreifen. Meine erste Idee war, das beim bekanntermaßen sehr schnellen Halbmarathon in Berlin Anfang April zu probieren. Da mich aber das Losglück für einen Startplatz beim Berlin-Marathon traf, verschiebt sich die Reise in die Hauptstadt in den September und ich suchte mir stattdessen den IFB HiRo Run in Hilpoltstein für den Bestzeitversuch aus. Die Strecke ist einigermaßen flach, nicht zu weit von Nürnberg entfernt und von einem Trainingslauf 2014 teilweise bekannt.

Und es gab noch eine andere Idee, die schon länger in meinem Kopf herumschwirrte und sich jetzt materialisiert hat: Mal so einen Trainingsurlaub mit einem dieser Sportreise-Anbieter machen. Das heißt: In toller Landschaft mit anderen ähnlich Bekloppten zusammen trainieren, idealerweise bei besserem Wetter als im deutschen Winter, und außer trainieren nur lecker essen, faulenzen und noch ein bißchen Touri-Programm machen. Ich war dann schließlich im März mit dem legendären Peter Greif in Conil de la Frontera an der andalusischen Atlantikküste:

Die zwei Wochen dort waren sehr hart (193 Kilometer in 12 Tagen!) aber haben Spaß gemacht, es waren Menschen vom Ü70 bis zur Olympiateilnehmerin dabei, und die Gruppen waren so eingeteilt, das jeder ein angemessenes Tempo laufen konnte. Auch wenn ich leider einen kleinen Infekt danach nicht vermeiden konnte (vermutlich die Kombination aus belastungsgeschwächtem Immunsystem und Flugzeugkabine), standen die Zeichen auf „Form meines Lebens“ und die letzten Einheiten vor dem Wettkampf (z.B. noch einmal 4 x 1000m im HM-Tempo) verliefen auch zufriedenstellend.

So stand ich also am Samstag mit einem sehr guten Gefühl in der Hilpoltsteiner Altstadt am Start. Sofort hängte ich mich an den 1:30h-Tempomacher mit seinem Ballon, die ersten Kilometer verliefen aus der Altstadt hinaus an Freibad und Stadthalle vorbei zum Main-Donau-Kanal, wo es bis zur Schleuse auf dem Uferweg weiterging. Mit einem kurzen, aber giftigen Anstieg wurde dort dann der Kanal überquert. Die km-Schnitte des Tempomachers waren aber etwas unregelmäßig und lagen über den erforderlichen 4:15 min/km, so dass ich mich etwas absetzte. Vielleicht war das schon der erste Fehler. Aber ich war ja nicht viel zu schnell unterwegs (5 km: 21:34, also +0:19). Das lange Stück am Kanal entlang bis zum Challenge Roth-Schwimmstart (Heuberg) nervte zwar, aber auch bei Kilometer 10 war die Welt noch halbwegs in Ordnung (43:05, +0:35). Die 1:30h-Gruppe holte mich aber ein, überholte mich, und ich konnte nicht mehr zulegen. Ich hatte sie zwar noch eine Weile im Blick, aber der Schotter auf dem Waldweg am Rothsee hatte auch schon Kraft gekostet und so wurden die nächsten Kilometer immer langsamer (vom plangemäßen km 8 in 4:15 bis zum km 15 in 5:02). Zu diesem Zeitpunkt wusste ich schon, dass es mit den unter 1:30h nichts mehr werden würde und selbst eine Bestzeit knapp unter der letztjährigen verdammt hart werden würde (km 15: 1:06:28, +2:43). Auf dem Stück, das dann wieder schnurgerade am Kanal zurückführte, konnte ich mich nur minimal berappeln (km 16 in 4:52). Die nächsten Kilometer – wieder über eine Brücke mit einem kurzen Anstieg – wurden dann noch schlimmer, auch wenn ich keine Krämpfe bekam oder gehen musste, die Luft war komplett raus. Erst als das Ortsschild von Hilpoltstein zu sehen war, und es auf der Anfang bekannten Strecke in die Altstadt zurückging, beschloss ich, wenigstens noch um Platz 2 in meiner HM-Rangliste zu kämpfen und kam dann nach 1:38:09 ins Ziel. Ich bin noch bei keinem Halbmarathon in der zweiten Hälfte so eingebrochen.

Woran liegt’s? Vielleicht schlicht übermotiviert, die Erholung vom Trainingslager noch nicht abgeschlossen, die 4 x 1000m am Dienstag zu spät oder ich hätte länger in der Gruppe mitschwimmen sollen oder oder oder… Dieser Wettkampf hat mir jedenfalls gezeigt, dass es nach einem fantastischen Jahr 2016 mit neuen Bestzeiten über alle Distanzen nicht ständig „schneller, höher, weiter“ gehen kann.

Die nächsten beiden Halbmarathons am 30.4. (Weltkulturerbelauf Bamberg) und 20.5. (Göteborgsvarvet) sind vom Streckenprofil her eh nicht bestzeittauglich, so dass ich mich jetzt auch nicht zu sehr unter Druck setze…