Archiv für den Monat: März 2015

Die neue Rhetorik gegen „das Silicon Valley“

Frei nach dem bekannten Zitat von August Bebel, dass Antisemitismus der Sozialismus der dummen Kerle sei, könnte man zu dem Gedanken können, dass Stimmungsmache gegen US-Technologieunternehmen (vor allem Google) und „das Silicon Valley“ der gesellschaftlich akzeptierte Ersatz für Weltbilder ist, in denen Begriffe wie „internationale Hochfinanz“, „Rockefeller“ und „Ostküste“ vorkommen.

Eurotechnopanik wäre demnach der Antisemitismus der Politisch Korrekten.

Politik und Medien haben seit den Snowden-Enthüllungen aus der Anti-Geheimdienst-Story eine Anti-Google-Story gemacht und große Teile der Bevölkerung glauben sie, ähnlich wie in den Monaten vor dem Irakkrieg 2003 in den USA, als aus 9/11 eine Story gegen Saddam Hussein wurde.

Es ist ja auch viel einfacher, auf ein paar US-Unternehmen zu schimpfen als sich mit mit wirklich komplizierten und gefährlichen Dingen wie dem TTIP-Abkommen zu beschäftigen.

Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: Digitale Supermächte machen Probleme und stellen Politik und Gesellschaft vor Herausforderungen. Ihre Marktmacht zu begrenzen, muss aber in eine politische Gesamtstrategie eingebettet sein, die Netzneutralität sichert (und da sind uns die die USA seit neuestem in regulatorischer Hinsicht voraus!), Verbraucherschutz und Wettbewerb garantiert (z.B. indem Verbrauchern der Wechsel von Software- und Diensteplattformen so einfach wie möglich gemacht wird), Grundrechte schützt (z.B. für Whistleblower, wo ist denn der deutsche Snowden?) und freie Software fördert.