Archiv für den Monat: August 2014

Was kommt nach den Piraten?

Ehemalige FDP-Politiker wollen eine neue linksliberale Partei gründen. Hier ist ein interessanter Kommentar dazu.

Ich persönlich werde im November nicht erneut für den Vorstand kandidieren, sondern 2015 eine gewisse Piraten-Auszeit einlegen. Das plane ich schon seit einem halben Jahr so. Ich bin keiner der Menschen, die Knall auf Fall alles hinschmeißen und austreten und dann ein paar Monate später wieder eintreten.

Kurz notiert (1)

1. Wir brauchen kein europäisches Staats-Google oder Staats-Facebook, um den Monopolisten im digitalen Raum wirksam entgegentreten zu können. Solche Projekte sind nur eine gigantische Verschwendung von Subventionen. Wir sollten stattdessen eher auf Interoperabilität, offene Standards, freie Software und digitalen Verbraucherschutz setzen und mit Gesetzen in diese Richtung den Hebel gegen Google, Amazon usw. ansetzen. Warum nicht z.B. gesetzlich vorschreiben, dass keine digitalen Endgeräte mit App-Store-Zwang mehr verkauft werden dürfen? Jeder Verbraucher sollte das Recht haben, auf seinem rechtmäßig erworbenen Endgerät auch Software seiner Wahl installieren zu können.

2. Die NSA ist das einzige, was Amerika noch hat, um Weltpolizei spielen zu können. Die kulturelle Strahlkraft des „American Way of Life“ hat erheblich nachgelassen, wirtschaftlich bekommen die USA in vielen Bereichen auch kein Bein mehr auf den Boden, und die militärische Überlegenheit kommt nicht zur Geltung, wenn man sich nur noch in asymetrischen Konflikten festfrisst (von Vietnam bis zum Irakkrieg). Wenn ich US-Präsident wäre, hätte ich zur Zeit wohl das Gefühl, überall die Kontrolle zu verlieren, und würde die NSA als etwas wahrnehmen, das mir verspricht, sie zu behalten oder wiederzuerlangen.

Carsharing

Ich besitze nach wie vor kein Auto und bin seit 2008 zufriedener Carsharing-Nutzer. Ganz am Anfang in Freiburg bei Carsharing Südbaden (heute Stadtmobil Südbaden), dann in Nürnberg zuerst bei Drive und seit letztem Jahr bei Flinkster.

2008 war in Nürnberg die Abdeckung noch ziemlich schlecht: Es gab nur ein Auto in Thon, d.h. man musste mit der Straßenbahn fahren, um zum Auto zu kommen. Mittlerweile gibt es aber zwei Flinkster-Standorte in St. Johannis, die weniger als 10 Minuten zu Fuß entfernt sind. Carsharing-Anbieter, bei denen man das Auto irgendwo innerhalb des Geschäftsgebiets abstellen kann, wie z.B. Car2Go oder DriveNow, gibt es in Nürnberg noch nicht. Ich finde die aber gar nicht so viel praktischer – der Minutenpreis ist wesentlich höher, man muss nach der Benutzung jedes Mal einen Parkplatz suchen und bei Car2Go fällt der Anwendungsfall „Große, schwere Gegenstände transportieren“ auch noch weg, weil es dort nur Smarts gibt. DriveNow wäre höchstens deshalb interessant, weil man dann auch mal BMW und Mini fahren könnte 🙂

Meine Vision für Nürnberg ist, dass der nächste Carsharing-Standort nie weiter weg ist als die nächste Bushaltestelle, also in der Regel unter 500 Meter. Dann werden noch mehr Menschen, die für den Weg zur Arbeit kein Auto benötigen, sich gar nicht erst eins zulegen und viel Platz auf den Straßen wird frei, der für mehr Grün oder bessere Radwege genutzt werden könnte.

Seat Mii

Das am häufigsten vorhandene Carsharing-Auto in Nürnberg: Der Seat Mii. Für die Stadt und den Sonntagsausflug völlig ausreichend.
CC-BY-SA-3.0-de Wikimedia Commons

Das einzige, was mit dem Carsharing-Auto nicht funktioniert: Veranstaltungen, zu denen man direkt von der Arbeit aus hinfährt. Da bin ich auf teilweise umständliche ÖPNV-Verbindungen oder Mitfahrgelegenheiten bei Kollegen angewiesen. Und wenn man mehrere Tage ein Auto braucht und hunderte Kilometer damit fährt, ist ein normaler Mietwagen günstiger.

Ebola

Viele Menschen machen sich gerade Sorgen wegen der Ebola-Epidemie in Westafrika. Das kann ich zum Teil nachvollziehen. 1995, als diese Krankheit durch das Buch „Hot Zone“ und den Film „Outbreak“ zum ersten Mal größer in die Medien kam, war ich auch sehr alarmiert, ausgelöst durch diesen ziemlich reißerischen SPIEGEL-Artikel (Achtung! Nur mit robustem Kreislauf lesen!) und eine ein paar Monate später real ausbrechende Epidemie in Zaire.

Aber wie wahrscheinlich ist es, dass es ein Fall nach Deutschland schafft, und was wird dann voraussichtlich passieren? Ich habe mal etwas recherchiert und bin auf Folgendes gestoßen:

  • Das Marburg-Virus ist Ebola sehr ähnlich und hat seinen Namen von der Stadt Marburg in Hessen. Dort sowie in Frankfurt und Belgrad kam es 1967 zu einer Epidemie unter Beschäftigten der Behring-Werke, die durch durch infizierte Laboraffen ausgelöst wurde. Obwohl die Gesundheitsbehörden damals ziemlich unvorbereitet waren, und sich auch einige Pflegekräfte ansteckten, war nach 31 Fällen Schluss.
    2008 wurde dieses Virus außerdem in die Niederlande sowie in die USA eingeschleppt, ohne dass sich andere Menschen infizierten.
  • Das Lassa-Fieber ist ungefähr ähnlich ansteckend wie Ebola und hat seinen Verbreitungsschwerpunkt gerade in den jetzt betroffenden westafrikanischen Ländern. Schätzungen reichen von 100.000 bis 500.000 Fällen pro Jahr, von denen 1-3% tödlich verlaufen. Hier sind seit 1974 vier Fälle bekannt, in denen die Krankheit nach Deutschland eingeschleppt wurde (zuletzt 2006). Das hilft vielleicht, die Wahrscheinlichkeit abzuschätzen, dass ein Ebola-Infizierter in Deutschland einreist. Und auch hier kam es nicht zu weiteren Infektionen.

Grundsätzlich sollten neue Grippe-Varianten und antibiotikaresistente Bakterien mehr Anlass zur Besorgnis geben.