4 Wochen nach Hamburg – Wie geht es weiter?

Nach dem Hamburg-Marathon hatte ich 10 Tage lang erhebliche Probleme mit dem rechten Fuß – ich war dann sogar beim Sportmediziner, weil ich einen Ermüdungsbruch befürchtete. Letztlich wurde es aber dann doch von alleine besser. Was ich daraus lerne?

  • Marathon nicht in uralten Schuhen laufen (sie hatten über 1000 km)
  • Nicht 3 Tage vor dem Marathon mehrere Stunden mit Kindern auf dem Bolzplatz Fußball spielen (in meinen normalen Straßenschuhen, keine Sportschuhe!)

Das nächste große Ziel ist der Metropolmarathon am 12.6. in Fürth. Dort laufe ich die 10 km und möchte endlich meine uralte Bestzeit aus dem Jahr 2007 (42:27) knacken. In den nächsten 3-4 Wochen möchte ich daher vor allem an der Kraft und Schnelligkeit arbeiten. Ein gewisser Anfang ist schon dadurch gemacht, dass ich das Stabi-Training seit Ende März ziemlich regelmäßig mache (ungefähr das hier). Jetzt, während der Laufpause, 3-4x/Woche 30 Minuten, wenn ich ab morgen wieder laufe, möchte ich wenigstens 2-3x/Woche 15 Minuten hinbekommen. Ich bin mal gespannt, ob die bessere Rumpfstabilität jetzt schon beim Laufen spürbar ist. Vorgestern hatte ich schon eine Trainingseinheit mit etwas Laufen (ca. 3 km, auf dem Weg Lauf-ABC, einige Sprints und einige Übungen an den Geräten im Pegnitzgrund). Morgen geht es dann wieder „richtig“ los.

Eine Art Generalprobe für die 10 km in Fürth ist der Tiergartenlauf am 3.6., der selbst zu hügelig für eine Bestzeit ist, aber 45-48 Minuten möchte ich auch dort schaffen.

Außerdem habe ich einen weiteren Versuch unternommen, das mit dem Kraulschwimmen richtig hinzubekommen – diese Woche war ich viermal Schwimmen, was absoluter Rekord ist. Aber leider schaffe ich immer noch nicht mehr als 100 Meter, bis mir die Luft ausgeht. Da müsste wohl noch mal ein professioneller Trainer draufschauen.

Das Radfahren kam im Vergleich zum Schwimmen und Krafttraining ziemlich kurz, aber immerhin bin ich am letzten Sonntag mal die 50 Kilometer am Ludwigskanal bis Neumarkt gefahren – definitiv eine meiner Lieblingsstrecken hier in der Gegend!

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Mein Hamburg-Marathon 2016

TL;DR – 3:58:22, neue persönliche Bestzeit, unter 4 Stunden im zweiten Marathon, und die zweite Hälfte deutlich schneller als die erste!

Nach einem Training, das sich grob am 3:59-Plan von Steffny orientierte und insgesamt viel zielgerichteter und mit höherem Umfang verlief als das im Vorjahr, fuhr ich sehr optimistisch in den Norden. Ich hatte Hamburg als zweiten Marathon ausgewählt, weil der Zeitpunkt ideal war – spät genug, um im März noch viele Trainingseinheiten nach der Arbeit bei Tageslicht absolvieren zu können, und früh genug, damit es (wahrscheinlich) nicht heiß sein sollte. Außerdem hatte ich schon einiges von der grandiosen Stimmung bei diesem Lauf gehört.

In der letzten Woche machte ich es mir selbst allerdings noch einmal unnötig spannend. Vor dem Marathon-Wochenende war ich bei meinem Cousin in Lübeck zu Besuch, und am Donnerstag mit dessen 11-jährigem Sohn auf dem Bolzplatz. Obwohl ich versuchte, unnötige Sprints zu vermeiden, kam doch einiges an Rennerei zusammen, und das merkte ich noch am Samstag beim letzten lockeren Lauf deutlich in den Beinen. Hinzu kamen noch Rückenschmerzen vom Hotelbett, so dass die Stimmung am Samstag nicht unbedingt die beste war. Erst das Abendessen mit einigen laufbegeisterten Twitterern konnte sie etwas heben.

Dann kam noch die Frage der Kleidung hinzu, der der Sonntag sollte ziemlich kühl und windig werden, was meinen Plan, in kurzer Hose zu laufen, zunichte zu machen drohte. Die lange Hose wollte ich eigentlich nicht anziehen, weil sie bei langen Läufen an der Oberschenkelinnenseite scheuert. Ich entschied mich dann dafür, ein bißchen was zu riskieren und in kurzer Hose zu laufen, was sich als absolut richtig erwies.

Am Sonntag klingelte dann um 6:00 der Wecker und nach einem Frühstück aus Cornflakes, Bananen und süßen Teilchen im Hotel (das netterweise vorbereitet war, obwohl der normale Frühstücksraum wegen Umbauarbeiten geschlossen war) ging es dann mit der U-Bahn zum Start bei den Messehallen. Dort hatte ich dann nach dem Abgeben des Kleiderbeutels noch einiges an Zeit totzuschlagen, was aber wenigstens drinnen im Warmen möglich war. Um 9:00 ging es dann endlich los, ich stand direkt unter dem Fernsehturm im Startblock H in der Kälte, die Sonne schien aber, aber bis es auch für unseren Block losging, vergingen noch weitere 10 Minuten. Der Plan war, erst mal in 5:45 min/km zu laufen und dann auf der zweiten Hälfte etwas zu beschleunigen, um so auf die unter 4h zu kommen. Auf dem ersten Kilometer (5:58) war die Pace auch durch die Masse bestimmt. Dann ging es nach Westen raus, über die Reeperbahn durch Altona und Ottensen bis nach Othmarschen. Der Gegenwind war auf diesem Abschnitt nicht so schlimm wie befürchtet und der fußballgeplagte rechte Oberschenkel machte auch mit. Insgesamt lief ich aber sehr defensiv und so ging Kilometer 5 mit 29:11 (+0:26) durch. Nach dem Wendepunkt ging es dann in mehreren Stufen bergab bis zu den Landungsbrücken (Kilometer 12), ich fühlte mich weiter sehr gut und beschleunigte ganz behutsam, so dass ich bei Kilometer 10 einen kleinen Vorsprung vor dem „Fahrplan“ hatte (57:21, -0:09). Das Highlight auf dem nächsten 5 km-Abschnitt war dann der Tunnel vor dem Hauptbahnhof mit Lichteffekten, Musik und rhythmischem Geklatsche der Läufer. Bei Kilometer 15 (im Tunnel) betrug der „Vorsprung“ schon 28 Sekunden. Danach ging es einmal um die Binnenalster herum, und der linke Schuh drückte plötzlich ziemlich. Ich hielt aber bis zur Halbmarathon-Marke auf der langen, schnurgeraden Sierichstraße durch (2:00:41, -0:39), um direkt danach kurz an den Rand zu gehen und den Schuh neu zu schnüren.

Kurz danach nahm ich das erste Gel ein, es ging nach rechts, um den Stadtpark herum, Kilometer 25 in 2:23:17 (-0:28, also kaum Zeit verloren). Das Wetter verschlechterte sich auf den folgenden Kilometern etwas mit einem ziemlich kalten Wind und auch einigen Regentropfen in Barmbek und bei den hässlichen Büroklötzen in der City Nord fing ich an, nach dem Fernsehturm Ausschau zu halten, unter dem das Ziel lag, aber es war noch kein Turm zu sehen. Ich möchte mich auch bei dem in diesem Abschnitt die Straße überquererenden Zuschauer entschuldigen, den ich unsanft zur Seite schob. Dann folgte aber wieder eine Sonnenlücke, und bei Kilometer 30 stand ich dann sehr gut da (2:51:01, 1:29 unter Plan). Die 3:59:xx rückte in greifbare Nähe und beschloss, ab jetzt auch etwas mehr Risiko einzugehen. Bei Kilometer 33 das zweite Gel, die Stimmung folgte etwa dem Verlauf des Wetters und dem Reiz der Umgebung (jetzt wieder ein Wolkenfeld, öde Gegend, und der Fernsehturm immer noch nicht in Sicht…). Dann meldete sich auch langsam der rechte große Zeh, an dem ich eine bekannte Druckstelle mit einem Plaster abgepolstert hatte, das sich nun langsam abzulösen schien.

Ich rechnete aber stur bei jedem Kilometer die nächste „Soll-Zwischenzeit“ aus, auch um zu testen, wie frisch ich im Kopf noch war, und schaffte es jedesmal, sie etwas zu unterbieten, und mehrmals schob ich das „Soll“ dann nach um eine Minute nach unten. Auf diese Weise flogen die Kilometer 33 bis 39 in 5:30 und weniger dahin. Die Druckstelle lief sich von alleine wieder heraus und im Oberschenkel war eh schon lange alles im grünen Bereich.

Erst in Eppendorf (Kilometer 37) kam dann der verdammte Turm in Sicht, gleichzeitig auch die Sonne wieder heraus, und die Zuschauer am Straßenrand wurden mehr. Über den Klosterstern – ein größerer Platz mit einem Kreisverkehr und viel Stimmung – ging es dann wieder an die Alster herunter im Stadtteil Rotherbaum und ich motivierte mich dann mit dem Gedanken „Die Gegend kennst du schon“ (mein Hotel beim CCC-Kongress 2012 war in der Gegend). Die Schmerzen waren da, aber sie waren von der berechenbaren Sorte. Nach Kilometer 40 (3:46:00, -4:00, juhu!) ging es dann vom Alsterufer wieder zurück auf die Hauptstraße, am Bahnhof Dammtor vorbei über die Ringstraße, der Fernsehturm war jetzt rechts ganz groß, davor noch der Park „Planten un Blomen“ (kannte ich auch schon), dann schon die Karolinenstraße, in der der Start war, jetzt in der umgekehrten Richtung, die U-Bahn-Station, eine letzte Kurve und der rote Teppich. Diesmal ging ich auch mit Hochreißen der Arme ins Ziel – 3:58:22 war das Endergebnis.

Jetzt sind erst mal wieder mehrere Wochen Pause angesagt. Der rechte Fuß beschwert sich gerade etwas, ich hoffe, es ist nichts, weswegen ich noch einen Arzt aufsuchen muss…

 

Kreative Trainingsideen für alle Lebenslagen

Ich weiß nicht, wie es bei euch aussieht, aber bei mir sah das Training für den Hamburg-Marathon (Ziel: unter 4h) etwa wie folgt aus:

  • Sehr, sehr viele Kilometer in 5:50 bis 6:30 pro Kilometer (sowohl die normalen Läufe als auch die langen)
  • Ganz selten mal Intervalle (einmal 3 x 1000m in 5:10, um genau zu sagen) oder ein etwas schnellerer Lauf
  • Ein HM als Formtest, der in 1:52h absolviert wurde, ohne voll am Anschlag zu laufen

Das muss aber nicht sein, und man kann ja auch eine Herausforderung darin sehen, mit möglichst wenig Training möglichst viel Effekt zu erzielen. Hierzu muss man dem Körper aber auch möglichst vielfältige Reize bieten, um unterschiedliche Fähigkeiten, Muskelgruppen usw. zu beanspruchen. Hier sind ein paar Ideen, was ihr im Rahmen eures Lauftrainings alles machen könnt, um mehr Abwechslung hineinzubringen:

  1. Lauf-ABC: Das ist dieses Anfersen, Knie hochziehen, Seitwärtslauf, Hopserlauf, rückwärts laufen usw., was ihr vielleicht – wie ich – ganz selten mal zum Aufwärmen macht.
  2. Ungewöhnliche Intervalle: Wahrscheinlich lauft ihr 500m oder 1000m-Intervalle, wenn ihr auf HM oder 10km traininiert, und vielleicht noch 3000er- oder 5000er-Intervalle für Marathon. Aber warum nicht mal bewusst lange Intervalle machen (4 x 5000m im Rahmen eines langen Laufs), oder ganz kurze (z.B. 10 x 400m oder 20 x 200m)?
  3. Intervalle/Tempolauf in Minuten statt Metern: Es gibt den Cooper-Test, der manchmal benutzt wird, um die Ausdauer von Bewerbern zu messen (z.B. bei Fußballschiedrichtern, 12 Minuten laufen und man misst die zurückgelegte Strecke)
  4. Mach das Trinkspiel zum Sprintspiel: In einem meiner Podcasts fällt bemerkenswert oft das Wort „bemerkenswert“. Anstatt jedes Mal einen Schnaps zu trinken, kann man da auch einen Zwischenspurt einlegen. Oder bei einer Fußballübertragung im Radio, wenn ein bestimmter Spieler erwähnt wird. Oder man macht sich eine Playlist mit Loop und zufälliger Reihenfolge und sprintet bei einem bestimmten Lied…
  5. Kurz- und Mittelstrecke: Warum nicht mal wieder die eigene Bestzeit über 800, 1000 oder 2000 Meter ermitteln? Bei mir war das zuletzt im Schulsport.
  6. Bewusst langsam: Warum nicht mal bewusst 7:00 min/km oder langsamer laufen? Vor allem zu Regenerationszwecken.
  7. Gehen: Klingt verrückt, aber einen flotten Spaziergang oder eine Wanderung als Lauf-Workout in eurem Trainingstagebuch zu erfassen, kann die Motivation hochhalten, wenn ihr (leicht) krank oder verletzt seid und nicht „richtig“ laufen könnt.
  8. Kombi-Training: Laufen und direkt davor oder danach z.B. Schwimmen oder Radfahren. Wer Triathlon macht, kennt das.
  9. Duo-Training: Mit Partner/Partnerin abwechselnd laufen und mit dem Rad nebenher fahren.
  10. Der gute alte Trimm-Dich-Pfad: Laufen und zwischendurch Übungen für Kraft oder Beweglichkeit.
  11. Hügelsprints: Einen kleinen Anstieg, den man ein paar Mal volle Kanne hochrennt, findet man fast überall, z.B. eine Fußgängerbrücke.
  12. Treppenlauf: In manchen Städten (z.B. Stuttgart) gibt es lange Treppenanlagen, mit denen man einen großen Höhenunterschied überwindet. Oder man sucht sich ein hohes Gebäude oder einen Turm, in dem man das Treppenhaus betreten kann (bis man dort für bekloppt erklärt wird :-))
  13. Höhentraining: Im Alpen-Urlaub mal eine Trainingseinheit auf 1500 oder 2000 Metern machen. Das Trainingsmittel der Profis.
  14. Parkour: Über Hindernisse im urbanen Raum hinwegspringen oder -klettern. Das Jump&Run-Spiel in echt! Vorsicht, Verletzungsgefahr! (und vielleicht nicht gleich mit dem Mercedes eures Nachbarn ausprobieren :-))
  15. Mit Gewicht: Gewichtswesten findet man in gutsortierten Sportartikelgeschäften. Gerade bei Läufen bergauf kann man damit den Schwierigkeitsgrad noch erhöhen. Ich habe auch schon von Triathleten gehört, die als Training alte Autoreifen hinter sich herziehen…
  16. Weg zur Arbeit laufen: Mit etwas Logistik (Wechselkleidung bereithalten oder im Rucksack mitnehmen) und Duschen am Arbeitsort vielleicht mal eine Überlegung wert, wenn es eine hübsche Strecke gibt. Und ihr spart damit auch Zeit!
  17. Ungewöhnliche Tageszeiten: Abends laufen, wenn ihr normalerweise morgens unterwegs seid, und umgekehrt. Oder vor dem Frühstück (habe ich einmal letztes Jahr in Berlin gemacht, als ich schon früh wach war, es im Hotel aber erst ab 7:30 Uhr Frühstück gab) – raus aus der Komfortzone!
  18. Natural Running/Barfußschuhe: Es gibt Schuhe, die kaum mehr sind als eine Art Socke aus dickem Gummi und das Barfußlaufen simulieren sollen. Ich habe das noch nie ausprobiert, aber es soll ganz andere Muskeln und Sehnen trainieren und andere wiederum entlasten (weshalb man auch sehr vorsichtig und mit kurzen Strecken anfangen sollte)
  19. Tatsächlich barfuß: In Enderndorf (am Brombachsee) gibt es einen Barfuß-Wanderweg mit verschiedenen Materialien, die sich unterschiedlich anfühlen (z.B. Glas, das aussieht wie Glasscherben, aber nicht scharfkantig ist). Wir haben das vor vielen Jahren mal als Betriebsausflug gemacht. Großartig natürlich auch am Strand.
  20. Aqua-Jogging: Großartig in der Rehabiliation nach Verletzungen

Dann gibt es noch Veranstaltungen, die etwas Abwechslung schaffen:

  • Crosslauf mit Schnee, Eis und Matsch im Winter trainiert die mentale Härte und zwingt euch zu einem anderen Laufstil als dem gewohnten.
  • Berglauf und Treppenlauf – siehe oben. Es gibt z.B. den SkyRun auf den Messeturm in Frankfurt.
  • Hindernislauf ist ja ziemlich im Kommen. Egal ob Tough Mudder, Strongman Run oder Braveheart Battle – irgendwann im Jahr gibt es sicher auch eine Veranstaltung in eurer Nähe. Die meisten Hindernisläufe sind als Team-Event gedacht, bei dem man sich gegenseitig hilft, über die Strecke zu kommen.
  • Orientierungslauf – Laufen und dabei Punkte auf einer Karte in einer einer bestimmten Reihenfolge aufsuchen. Habe ich schon zweimal gemacht.
  • Ultralauf – Wer Marathon schafft, schafft auch 50 Kilometer – notfalls eben im langsamen Tempo oder mit etwas Gehen zwischendurch. Wenn es mich eines Tages mal nach Südafrika verschlagen sollte, möchte ich den Two Oceans Marathon in Kapstadt in traumhafter Landschaft laufen (56 km). Eher eine mentale Herausforderung ist der 6-Stunden-Lauf, der jedes Jahr in Nürnberg stattfindet (viele, viele Runden um die Wöhrder Wiese…)

 

 

 

Taschengeld-Kürzung wegen WLAN bei Flüchtlingen

Warum es nicht angemessen ist, Flüchtlingen 36 Euro vom Taschengeld abzuziehen, bloß weil es in ihrer Unterkunft ein ehrenamtlich bereitgestelltes WLAN gibt:

  1. Ein Großteil der Infrastruktur wurde gar nicht von der öffentlichen Hand finanziert, sondern von Freifunk ehrenamtlich zur Verfügung gestellt. ALG-II-Empfänger bekommen ja auch nicht Leistungen gekürzt, wenn sie in ihrem Wohnort durch ähnliche Initiativen irgendetwas günstig oder kostenlos bekommen.
  2. Es gibt auch Flüchtlinge, die gar kein Smartphone haben und die Leistung nicht nutzen können, aber dennoch 36 Euro vom Taschengeld abgezogen bekommen.
  3. Ein WLAN deckt ja nicht alle Kommunikationsbedürfnisse ab. Man braucht z.B. eine SIM-Karte, um überhaupt außerhalb der Unterkunft telefonieren und Daten übertragen zu können.
  4. 36 Euro sind mehr, als ich für meinen DSL-Anschluss inklusive Festnetz-Flatrate zahle. Die 16 MBit meines DSL-Anschlusses kann ich ganz alleine nutzen, während die Bandbreite des WLANs in der Unterkunft zwischen vielen geteilt wird.

 

Laufen gerade

Mein zweiter Marathon wird am 17.4. in Hamburg sein. Im Vergleich zum ersten Marathon sind die Strecken, die ich momentan im Training laufe, noch deutlich kürzer: Maximal 18,5 km bis jetzt, letztes Jahr waren es Anfang Januar schon 26 km. Dafür traininere ich aber viel regelmäßiger (seit 8 Wochen 4x/Woche, mal schauen, wie lange diese Serie noch fortgesetzt werden kann!) und so ist auch der Gesamtumfang höher: 135 km im Dezember und jetzt im Januar auch schon über 100 km trotz Schnee und Eis in den letzten Tagen.

Als Vorbereitungswettkampf gibt es einen Halbmarathon am 19.3. (Post SV Frühjahrslauf).

Schwimmbadverbot für Flüchtlinge?

In Bornheim bei Bonn dürfen männliche Flüchtlinge jetzt nicht mehr ins Hallenbad, nachdem es dort offenbar auch zu vielen Fällen sexueller Belästigung gekommen ist.

Ich bin nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss gekommen, dass ich diese Maßnahme unter bestimmten Bedingungen unterstützen kann.

OK:

  • Den Zugang für eine sehr begrenzte Gruppe (nur Flüchtlinge aus dem Ort anhand des Ausweises) eine begrenzte Zeit (vielleicht einen Monat) verbieten.
  • …nachdem vorher alle anderen Mittel ausgeschöpft wurden (z.B. mehrsprachige Flyer)
  • In regelmäßigen Abständen ausprobieren, ob man das Verbot aufheben kann.

Nicht OK:

  • Den Zugang rein aufgrund von Hautfarbe oder Aussehen verbieten.

Es wird noch viele solcher Entscheidungen geben, bei denen Fingerspitzengefühl nötig ist. Auch eine personell viel stärker aufgestellte Polizei kann es nicht schaffen, jedem einzelnen Übergriff hinterherzulaufen. Warten wir mal ab, bis die Freibäder aufmachen…

Die Flüchtlingsstadt

Ich bin heute auf Texte des US-Ökonomen Paul Romer gestoßen und es hat sich herausgestellt, dass meine Idee zur Bewältigung der Flüchtlingskrise nicht neu ist. Die Schutzzonen heißen bei ihm „Charter Cities“.  Er hat sogar schon konkret versucht, so etwas in Honduras anzustoßen.

Ein paar mehr Links zu dem Konzept:

In gewisser Weise ist Hongkong ein Vorbild für eine solche Flüchtlingsstadt. Als Großbritannien es im 19. Jahrhundert annektierte, war es nur ein Fischerdorf. Die meisten Hongkonger kamen als Flüchtlinge aus der Volksrepublik China. Das wirtschaftliche System Hongkong ermöglichte es ihnen, sozial aufzusteigen und die Kolonie zu einer der wohlhabendsten Städte der Welt zu machen. Hongkong diente auch als Vorbild für Sonderwirtschaftszonen innerhalb der VR China, z.B. das benachbarte Shenzen.

Austritt aus der Piratenpartei

Ich trete hiermit mit sofortiger Wirkung aus der Piratenpartei aus.

Sehr lange habe ich abgewartet, aber ich sehe keine Chance mehr, dass diese Partei politisch wieder handlungsfähig wird – von vereinzelten Initiativen auf kommunaler Ebene abgesehen. Wenn fast nur noch die Vorstandsmitglieder Zeit für diese Partei aufwenden, verwalten wir uns eigentlich nur noch selbst. Seit der Bundestagswahl sind zwei Jahre vergangen, und keine der dringend nötigen strukturellen Änderungen, um z.B. echte basisdemokratische Mitbestimmung zu verwirklichen, ist auch nur ansatzweise angegangen worden. Seit zwei Jahren hat es keinen Bundesparteitag mehr gegeben, auf dem in nennenswertem Umfang das politische Programm weiterentwickelt wurde.

Anfang des Jahres hatte ich noch darauf gehofft, bis zum Ende des Jahres die Lust an der politischen Arbeit zurückzugewinnen und als Vorstand oder als Bundestagskandidat ab 2016 die Piraten voranzubringen. Jetzt merke ich aber, dass da nichts wieder zurückkommt.

Ich möchte nun einen Schnitt machen und mir den Freiraum schaffen, um mich in ganz neuer Form mit neuen politischen Themen beschäftigen zu können.

Im Kreisverband Nürnberg und anderswo bedanke ich mich sehr herzlich bei allen, die seit 2010 mit mir zusammengearbeitet haben, und hoffe auch, den Kontakt zu einigen von Euch aufrecht erhalten zu können.

Es war den Versuch wert!

EU-Schutzzonen rund um Syrien

Die Flüchtlingskrise erfordert, dass Europa stärker in der Region rund um Syrien tätig wird. Eine Lösung könnte sein, sichere Zufluchtsorte dort aufzubauen, die auch Arbeitsplätze bieten. Sogar die deutsche Industrie könnte ihren Ankündigungen, Flüchtlinge zu unterstützen, dort Taten folgen lassen.

Das volle „Nation Building“ – der Wiederaufbau eines besetzten, zerstörten Landes – ist extrem teuer, langwierig und ziemlich erfolglos, wie man im Irak und in Afghanistan sieht. Gleichzeitig hält es nach vier Jahren Bürgerkrieg in Syrien viele Menschen nicht mehr in den Flüchtlingslagern der Anrainerstaaten.

Die EU sollte daher bessere Flüchtlingslager in der Region schaffen, oder besser gesagt: Anlaufpunkte, die auch eine Perspektive bieten. Wie könnte das geschehen? Mit EU-Schutzzonen unter Beteiligung von Unternehmen. Die Chefs mehrerer DAX-Unternehmen haben ja schon angeregt, mehr für Flüchtlinge zu tun.

Was ist eine Schutzzone?

Eine Schutzzone ist wie eine kleine Stadt für vielleicht 10.000-50.000 Menschen, die Flüchtlingen nicht nur ein Dach über dem Kopf bietet, sondern auch Arbeitsplätze. Die Botschaft dahinter ist „Ihr müsst nicht mehr in die EU kommen, die EU kommt jetzt zu euch“. Unternehmen aus der EU oder aus der Region selbst könnten in der Schutzzone günstig produzieren und Jobs anbieten, müssten sich allerdings auch finanziell an Bau und Betrieb beteiligen.

Gleichzeitig würden die Schutzzonen auch einige Funktionen übernehmen, die für die geplanten „Hotspots“ der EU vorgesehen sind, nämlich erster Anlaufpunkt für die Einwanderung nach Europa zu sein.

Wo könnten Schutzzonen entstehen?

In den Nachbarstaaten Syriens, also im Nordirak, in der Türkei, im Libanon und in Jordanien. Im Nordirak müssten wohl Truppen die Schutzzonen bewachen, da dort in einigen Gegenden Angriffe durch den IS drohen. Dafür sind dort schon viele türkische Unternehmen tätig, die man in das System einbinden könnte.
Mit etwas höherem militärischen Aufwand könnte man auch in Syrien selbst Schutzzonen aufbauen.

Vorteile

  • Flüchtlinge müssten nicht mehr den gefährlichen Weg nach Europa auf sich nehmen. Man würde den Schleppern Einnahmen entziehen, und es wären nicht mehr nur die Vermögenden, Jungen und Gesunden, die es in Sicherheit schaffen würden.
  • Man könnte besonders schutz- und behandlungsbedürftige Personen (z.B. Verletzte, schwer Traumatisierte, Waisenkinder) von dort direkt in die EU ausfliegen.
  • Wer dauerhaft in die EU auswandern möchte, könnte sich dort bewerben und auch schon vorbereiten (Sprachkurs usw.).
  • Man könnte z.B. mit Steuervergünstigungen EU-Unternehmen motivieren, dort tätig zu werden.
  • Die Arbeitsplätze in den Schutzzonen könnten einfache Industriejobs sein, die in der EU nicht mehr wirtschaftlich angeboten werden können. Dort könnte man Personen beschäftigen, die aufgrund mangelnder Qualifikation auf dem deutschen Arbeitsmarkt keine Chance hätten.
  • Der Betrieb der Schutzzonen könnte nach und nach auch von einheimischen Unternehmen übernommen werden, vor allem, wenn die politischen Verhältnisse stabiler werden.
  • Unter Umständen könnte man das Konzept auch erst mal in kleinem Rahmen auf deutschem Boden erproben, um die bestehenden Aufnahmestellen zu entlasten. Hier sind allerdings die rechtlichen Schwierigkeiten größer und es besteht die Gefahr von Verdrängungseffekten auf dem Arbeitsmarkt. Auch dürfte die deutsche Öffentlichkeit sehr empfindlich auf alles reagieren, was auch nur entfernt nach Arbeitslager aussieht (Godwin lässt grüßen)

Nachteile

  • Die Kooperation der lokalen Regierungen ist erforderlich.
  • Das Ganze könnte als Neo-Kolonialismus ausgelegt werden. Eine Schutzzone sollte auf jeden Fall mit maximaler Transparenz betrieben werden. Menschenrechtsorganisationen und Journalisten müssen jederzeit reinschauen können, auch unangekündigt, damit gar nicht erst der Verdacht aufkommt, dort würde Ausbeutung stattfinden.
  • Wenn das Konzept wirklich einschlägt, könnte es Arbeitsplätze in der EU verdrängen. Allerdings können EU-Unternehmen auch heute schon Arbeitsplätze in Billiglohnländer verlagern, und die Schutzzonen sind auch nicht für jede Industrie geeignet.
  • Vielleicht schaffen solche Schutzzonen erst recht Anreize, ins „richtige“ Deutschland auszuwandern.

Offene Fragen

  • Welche Unternehmen sollen sich da niederlassen und was sollen sie dort produzieren? Ist das überhaupt wirtschaftlich tragbar?
  • Gibt es überhaupt ausreichend Orte mit brauchbarer Infrastruktur (z.B. Hafen/Flughafen) und genügend natürlichen Ressourcen? (z.B. Wasser)
  • Wie soll der rechtliche Status eine solchen Schutzzone aussehen? Sollen wir das Grundrecht auf Asyl so interpretieren, dass das Asyl nicht mehr unbedingt auf deutschem Territorium stattfinden muss?

Selbstverständlich sind die Schutzzonen nicht als Alternative zur Integration der Flüchtlinge in Deutschland zu verstehen, sondern als Ergänzung. Es werden auch damit noch so viele Flüchtlinge hierher ziehen, dass die Integration eine große gesellschaftliche Aufgabe ist.

Wenn das Produkt „Deutschland“ aber so begehrt ist, dass man mit der Produktion nicht mehr nachkommt, sollten wir über ein „Deutschland light“ nachdenken, dass schneller und günstiger zu bauen ist und näher an den Menschen ist, die es nachfragen.